

Was geschieht, wenn Menschen ihr Land verlieren, Pestizide ihre Lebensgrundlagen bedrohen und staatliche Institutionen ihre Rechte nicht ausreichend schützen? Im brasilianischen Bundesstaat Maranhão haben indigene Völker, traditionelle Gemeinschaften und Menschenrechts-organisationen darauf eine ungewöhnliche Antwort gefunden: Volkstribunale. Sie sammeln Zeugenaussagen. Seit August 2026 dokumentieren sie Fälle von Gewalt, Landraub und Umweltzerstörung und schaffen eine Öffentlichkeit für Menschen, deren Stimmen in Justiz und Politik häufig kaum gehört werden.
Doch es geht um mehr als Brasilien. Weltweit geraten Frauen und Männer als Menschenrechtsverteidiger, indigene Organisationen und zivilgesellschaftliche Bewegungen unter Druck. Gleichzeitig gewinnen wirtschaftliche Interessen an Land, Rohstoffen und Agrarproduktion politischen Einfluss.
Wie verteidigen sie Demokratie und Menschenrechte, wenn staatliche Institutionen versagen? Darüber sprechen in Berlin drei Menschen, die diese Auseinandersetzungen unmittelbar erleben und begleiten:
Prof. Dr. Ronaldo Barros Sodré, Geograf an der Bundesuniversität von Maranhão, zeigt anhand wissenschaftlicher Daten, wie sich im nördlichen Teil der brasilianischen Feuchtsavanne (Cerrado) Landkonflikte, Gewalt, Agrarindustrie und Umweltzerstörung räumlich ausbreiten und Folgen für Biodiversität und Gesellschaft.
Inai’Ury Carneiro Pompeu Lisboa – Häuptlingin (Cacique) des Volkes Tentehar Guajajara, Linguistin, Koordinatorin der Indigenenjugend Tupi-Jê von Maranhão (COJUIMA) und stellvertretenden Sekretärin der Koordinierungsstelle der indigenen Organisationen des brasilianischen Amazonasgebiets (COIAB). Sie zeigt die Folgen von Bedrohung und Verlust der Territorien, zunehmende Gewalt und Lebenszerstörung be der indigenen Bevölkerung,
Luiz Jorge Silva Moreno, Menschenrechtsanwalt und Richter i. R., gehört zu den Initiatoren der aktuellen brasilianischen Volkstribunale und berichtet darüber, warum und wie Betroffene neue Formen gesellschaftlicher Öffentlichkeit und Rechtsprechung schaffen.
Die Teilnehmenden bringen ihrerseits Bruchstellen gesellschaftlicher Entwicklungen in Europa ein, die politischer und juristischer Aufmerksamkeit bedürfen.
Wir wollen mit ihnen als Verbündete gemeinsame Anliegen und Horizonte beschreiben, Handlungsstrategien und Handlungsformen als zivilgesellschaftlichen Allianz entwerfen. Denn die entscheidende Frage in Klimawandel und Globalisierung lautet nicht nur: Was geschieht im Cerrado? Sondern auch: Was können wir in unserer Gesellschaft tun, wenn wirtschaftliche Macht politisch stärker wird als das Recht?
Künstlerisch-kreative Arbeitsweisen zur Wahrnehmung und Öffnung für unser Resonanzerleben unterstützen uns, neue Horizonte und Allianzpartner zu erkennen und zum Handeln zu kommen. In zwei online-Workshops knüpfen wir an aktuelle Diskurse in Deutschland und Brasilien an (Wandzeitung).
Programm:
| 6.11.26 | Inhaltliche Schwerpunkte | Raum/Setup | |||
| Freitag | WE – Zuhören und Diskurs – wie verbindet uns das? Moderation: Freya Borger (Allianz Cerrado) | 216 Seminarraum S130 (ehem. R9, 47 Sitzpl.) (216/EG/0.123) Gronewaldstr. 2, 50931 Köln | |||
| 18:00–19:30 | Keynote, drei Inputs Brasilien (Soja-Lieferkette, Indigene Perspektiven, Volkstribunale) Tuschelgruppe Resonanzen, Notizzettel für Wandzeitung | Plenarraum, Beamer | |||
| 19:30–20:00 | Pause / Abendimbiss Networking mit Referent*innen | ||||
| 20:00–20:45 | Vertiefung und Inputs aus Deutschland Tuschelgruppe: Resonanzen, Notizzettel für Wandzeitung | Plenarraum, Beamer | |||
| 20.45- | Impulse zur kreativen Aufarbeitung | ||||
| 21.30 | Teilprogramm Theater | Teilprogramm Gestalten | Teilprogramm Tanz und Musik | Gruppen | |
| 10.11. | Inhaltliche Schwerpunkte | Raum/Setup | ||
| Dienstag | YOU AND ME – Kreativ wahrnehmen – Wie berührt uns das? Moderation: Freya Borger (Allianz Cerrado), Norbert Breidt (FIAN-Ortsgruppe Köln) | Gronewaldstr. 2, 50931 Köln | ||
| 18:00–19:30 | Teilprogramm Theater | Teilprogramm Gestalten | Teilprogramm Tanz und Musik | 3–4 Arbeits-räume |
| 19:30–20:00 | Pause / Abendimbiss | |||
| 20:00–21:30 | Teilprogramm Theater Friderike Wilckens von Hein 216 Seminarraum S133 (ehem. R119, 46 Sitzpl.) | Teilprogramm Gestalten mit Erd- und Pflanzenfarben Gracinete Awá Lemos Schröder 216 Seminarraum S139 (22 Sitzpl.) (216/03/3.145 | Teilprogramm Tanz und Musik Sebastian Ritter Choquehuanca 216 Seminarraum S144 (ehem. 417, 30 Sitzpl.) | 3 Arbeitsräume |
| 12.11. | Inhaltliche Schwerpunkte | Raum/Setup |
| Donnerstag | OURS – Neue Horizonte und neue Allianzen – wohin bewegt uns das? Moderation: Norbert Breidt (FIAN-Ortsgruppe Köln) | Ort: Ottto-Fischer-Str. 4, Köln Süd |
| 18:00–19:30 | Welt-Café Setup, erste Runde zu Wahrnehmungen, Anliegen, Strategien, Handlungen, Allianzpartnern mit den drei Gruppen (10.11.) | 4 Tischkreise Notizblätter |
| 19:30–20:00 | Pause / Abendimbiss Reflexion, Vorbereitung Final | |
| 20:00–21:00 | zweite Runde zu Synthesen und Fokus (brainstorming): peoples reporting – peoples art – peoples performance – peoples communication – peoples science (evt. auch andere) Mappings mit Handlungsfeldern, Akteuren hier wie dort, Aktionsformaten, Reichweiten zur internationalen Zusammenarbeit | Plenarraum Notizblätter |
| 21:00-21:30 | Peer-Interviews zur Ergebnissicherung (audio), Abschluss | Plenarraum |
